Tolle Shows von BB and the Blues Shacks in Flims

Die Tage war ich in Flims am Blues Festival, das noch bis Silvester dauert.

Ich habe u.a. die Hildesheimer B.B. and the Blues Shacks gesehen und gehört. Eine kleine Offenbarung, echt tolle Band mit einer guten und überraschenden Bühnenshow.

Die Besetzung mit Kontrabass, Piano, Schlagzeug, Gitarre und Mundharmonika war eher in meinem Attraktionsfeld als die zuvor spielende Hamburger Kombo mit Kontrabass, Saxophon, Piano und Schlagzeug.

Mein Liebling zum Thema Blues ist eh (fast) einzig und allein der King, B.B. King. Der hat auch ne grössere Kombo mit Orgel, meinem Lieblingsinstrument.

Anyway, B.B. and the Blues Shacks besteht im Kern aus den zwei Brüdern Michael und Andreas Arlt, die Gitarre und Gesang / Mundharmonika vom Besten bieten. Der Stil reicht meines Erachtens von fast Rockabilly, Boogie Woogie, Rock'n'Roll bis doch noch Blues.

Mir hat vor allem die Umsetzung auf der Bühne gefallen, der Freeze-Gag oder die super pianissimo-dynamische Gitarrenspiel waren für mich sehr überraschsnd und erheiternd. Eine Band, die wirklich durchspielen kann, nicht nach jedem Titel eine Erholungspause braucht und wichtig tut, sondern nach einem Titel sofort in den neuen übergeht. Das gefällt mir sehr, weil ich es einfach toll finde, wenn die Stimmung nahtlos weitergeht im neuen Song.

Gespielter oder echter Spass scheint in der Band durchaus vorhanden zu sein, der die Spielfreude und eben die Liebe zu dieser Musik gut rüberbringt.

Um Mitternacht holten sie die Sängerin der Vorgruppe hinzu und liessen als Zugabe noch einmal astreine Rock'n'Roll Nummern über die Köpfe des schon etwas reduzierten Publikums fegen.

Eine tolle Stimmung, die sich in der geschmacksvoll eingerichteten Mehrzweckhalle in Flims bis zum Mitsingen aufheizen konnte.

Die Band ist auch morgen Samstag noch in der Schweiz zu sehen, nämlich im Hirschen in 9476 Weite.

Mark Knopfler - Ausgebrannt?

Gestern war ich mit einem Freund zusammen an einem Showcase Konzert von Mark Knopfler an der AVO-Session.

Er hat vor geladenem Publikum nur eine genaue Stunde gespielt, liess sich nicht zu Zugaben bewegen trotz gutem Beifall.

Gespielt hat er Songs aus seinem neuesten Album. Aber die Wirkung, die er ausstrahlte ... mein Freund sagte, er hätte das Gefühl gehabt, da spiele eine mittelmässige Gitarrenkombo.

Es war gestuhlt, so dass wir alle sassen, und ich beobachtete mich, wie ich vom sicherlich schönen eingängigen Sound eingelullt fast einschlief. Hatte ein Freund recht? Ich überlegte mir das erst nach dem Konzert. Er spielte zum Vergleich nur ein Dire Straits Song, den allerdings genialen Brothers in Arms. Da bekam er den lautesten Applaus.

Vielleicht spielte er deshalb nur ne Stunde, weil seine eigenen Songs weniger gut anzukommen schienen. Diese waren ja auch von einer gewissen Genügsamkeit, Beschaulichkeit, Anspruchslosigkeit. Nett, stimmungsvoll, Marks Alter entsprechend?

Das Schweizer TV hat die Session aufgezeichnet und wird sie irgendwann bringen. Knopfler selbst spielt im April 2008 in Zürich ein öffentliches Konzert.

Wenn er so spielt wie heute, dann ginge ich dort nur hin, wenn ich grad eine relaxte Chillout Session brauche. Es scheint, als ob der 58-jährige Schotte irgendwie sein Pulver verschossen hat. Natürlich alles gemessen an dem, was er früher produzierte.

Es war schön, aber nicht genial - und hoffentlich nicht repräsentativ für ihn oder seinen Zustand.

Der Erfolg von Music Hits Rückschauen

Am Samstag findet in RTL seit längerem ein Phänomen statt, das sehr schön zeigt, was für eine Kraft Musik hat. Da muss der Oliver Geissen nur hinseitzen und die besten 50 Hits dieser oder jener Art von Musik oder Generation laufen lassen und schon ist der gesamte Abend gerettet.

Geissen sagte mal, dass der Erfolg dieser Shows ihn sehr verblüffe, weil er ja nichts anderes mache, als Musik zu präsentieren. Allerdings eben alte, zu der wohl jeder Hinhörer Erinnerungen hat - die sich dann darstellen.

Diesmal waren es die Disco-Hits. Ich gestehe, dass ich alle diese Songs kenne, auch wenn ich sie in den Jahren ihrer Aktualität nicht so soll fand. Warum, weiss ich eigentlich auch heute gar nicht. Abba wollte ich damals nicht hören, die Kopfstimmen der Bee Gees war grässlich, und John Travolta völlig daneben. Heute liebe ich sowohl Abba als auch die Bee Gees, den Travolta sehe ich lieber in Filmen.

Allerdings passiert bei mir etwas Komisches, das hören all dieser Songs bringt mich in eine komische Stimmung, wehmütig, komisch, teils zum Heulen - auch hier weiss ich nicht warum das so ist.

Vielleicht weil ich diese Zeit nicht so erlebt habe, wie andere. Ich ging nie in Discos, weil ich es dort zu laut zu stickig und auch sonst unangenehm fand.

Aber ich bekam schon mit, dass dies den Gleichaltrigen gefiel. Ich war damals auch ungeheuer scheu und blockiert. heute scheint mich diese Musik daran zu erinnern, wie ich mich damals fühlte, offenbar traurig, abgeschnitten von etwas, vielleicht von der Freude, die die andern offensichtlich empfanden. Ich weiss es nicht.

Ich möchte ja nicht zurück in diese Zeit, aber ich erkenne daran, dass Musik am Kopf und allem anderen vorbei immer direkt in die Mitte der Zwiebel sticht und hervorholt, was mich zu Tränen rührt.

Wenn ich diese Musik abseits solcher Shows höre, passiert mir meistens gar nichts, dann finde ich sie einfach toll, geil, bewegend, was auch immer.

Aber wenn ich im TV schaue, wie diese Klassiker nicht nur mich bewegen, sondern das Publikum auch, dessen Freude dann sichtbar wird, fährt mir das ganz anders ein. Vielleicht auch deshalb, weil ich sonst natürlich nie so alle Klassiker serviert bekomme, denn im MP3-Player lasse ich mich zufällig berieseln.

Deshalb regt diese Show auch so grad alles an, was ich erlebt habe. Oder damals wohl eher ziemlich unbewusst mitbekommen habe. Abhängen bei den meist betuchten Eltern meiner Mitgymnasiasten, wenn diese weg waren und ihre Söhne sturmfrei hatten.

Es war ja schon irgendwie schön, ich habe damals zum Beispiel den wunderbaren Song von Ulla Meinecke, die Tänzerin, ins Bewusstsein gebrannt bekommen. Oder später dann im Klassenlager This is the End von The Doors oder Child in Time von Deep Purple. Gerade Purple, Hardrock mochte ich damals gar nicht. Heute ist Deep Purple in der Sparte Hardrock meine Liebnlingsband. Wohl wegen Jon Lord. Mir imponierte seine klassische Ausbildung, die oft rüberkam, wie in Burnt Wood einem meiner Lieblinge. Von ihm habe ich mir damals alles besorgt, bis heute.

Oder bei einer Session bei meinem damaligen Freund beim ersten Anhören von Pink Floyds Shine on you crazy diamond eine spontane, synästhetische Erfahrung. Der langsam aufkommende Synthesizer-Teppich erzeugte in mir spontan ein sehr klares Bild und ein klare Geschmacksempfindungen. Ich hatte das seither nie mehr so intensiv. Ich muss diese Musik-Anhör-Sessions bei meinem Freund sehr genossen haben, denn ich hatte keine Musikanlage zuhause, hatte auch kein Verlangen danach. Er hatte so eine grosse Technics-Kiste mit allem Drum und Dran. Er war sehr Musik-begeistert und spielte mir gerne vor, was ihm gefiel. Mit vielen konnte ich damals gar nichts anfangen, weder mit den Bealtes noch Pink Floyd.

Ich war damals ein sehr grosser Jean-Michel Jarre Fan, gleichzeitig wunschtraummässig in der Welt des Weltraumabenteuers. Zu Jarre kam ich, weil der ja Pate stand mit Musik für die TV-Serie Mondbasis Alpha-1. Wer diese Titelmelodie noch kennt ... mich jedenfalls zog sie dann über etwas Nachforschen und Zufall zu Jarre, dessen Musik ich seither nie mehr losgelassen habe.

Flächige, hallende Space-Sounds wie von Jarre oder damals auch Klaus Schulze oder Kitaro und später natürlich Vangelis liessen meinen Geist abdriften in unendliche, grenzenlose Räume, einsam, leer und doch Geborgenheit bietend. Es ist mir heute mittlerweile halbwegs klar, wieso das so war. Es war damals schon eine Art Sehnsucht in so einen Zustand.

Damals wusste ich das noch nicht. Ich sehnte mich nur meist weit weg, auf keinen Platz dieser Welt, sondern ins All. Das gibt's auch heute noch bei mir, allerdings zum Glück sehr viel weniger energetisch wie damals. Dennoch gibt es auch heute Episoden in Filmen der Star Treck Serien oder von Spielberg, wo mich die Sehnsucht unvermittelt anspringt.

Es scheint mir, dass ich damals halt doch viel Musik mitbekommen habe, allerdings nie so wie viele andere als Fan. Ich hatte lange keine eigene Platten. Ich klaufe mir glaub ich mit ca. 22 meinen ersten Plattenspieler. Zuvor hatte ich immerhin schon ein Tape Deck. Mit dem nahm ich dann Musik auf oder tauschte sie. Und hörte sie meistens auf Kopfhörer, denn einen Verstärker und Boxen hatte ich ebenso lange nicht.

Und wenn man Synthesizer-Musik auf Kopfhörer reinzieht, hebt es sich leichter ab ... weil eben nichts anderes mehr hörbar ist.

Auch heute höre ich die Musik der TV-Show auf dem Kopfhörer und wie damals gibt's dann nichts wie diese Musik, die so direkt unter Umgehung des Verstandes meine emotionalen Erinnerungen anstachelt ...

Es ist schön, dass es Musik gibt, die einem Erinnerungen so schnell so direkt und unvermittelt wieder ins Bewusstsein holt. Und wenn ich so Sendungen sehe, denke ich, es geht anderen wohl auch so ...

Hans Liberg - Genial und humorvoll - ein Musikgenuss

Letztens kam die Vorstellung des Musik-Humoristen im 3SAT. Wer Hans Liberg kennt, wird mir wohl zustimmen, dass sein aktuelles Programm "die Neunte" ebenso genial ist wie die früheren Programme.

Ich liebe Musik ja über alles. Alle Arten von Musik. Und wenn dann noch ein Meister dessen sie mit Humor kombinieren kann, dann ist das für mich allerbeste Unterhaltung.

Der Holländer Hans Liberg, der damit bereits einen Emmy Award gewonnen hat, ist meines Wissens der einzige Humorist, der Musik so virtuos durch den Mixer lässt, dass dabei immer was rauskommt, was der Hinhörer nicht sofort erkennt, was ihn dann aber meistens zu erstaunten Lachen bringt. Er geht als Pianist meist von der klassischen Musik aus - von Albinoni, Bach, über Mozart, Smetana bis Vivaldi - und endet beim Entertainer oder etwas von den Beatles oder einem Walzerverschnitt in Anlehnung an André Rieu, den er auch sonst andauernd nachmacht, vor allem dessen Haarschopf-aus-dem-Gesicht-Schleudern ...

Ich halte Hans für einen begnadeten Künstler, der mit der bekannten klassischen Musik genauso Schlitten fährt wie mit dem seichtesten Kommerzblödsinn wie Schni-schna-schappi. Beginnt er mit einem Mozert-Klavierkonzert, wechselt es mittendrin zum Entertainer und endet in einer China-5-Ton-Musik.

Wie gesagt, ich bin total Musikfan, habe auch mal Klavier gelernt, aber zu spät und ohne grosse Motivation. Die kam erst, als ich Synthesizer entdeckte. Daran gefiel mir jedoch dannzumal eher die schrägen Sounds als dsa klassische Klavierspielen. Gut, Noten lesen und ab Blatt kann ich schon spielen, aber ich hatte immer mit der Unabhängigkeit der beiden Hände Mühe. Und ob ich das nun im "hohen" Körperalter noch ändern könnte ... zudem hatte ich mir nie ein Repertoire angelernt. So bringe ich zwar spannende Harmonien hervor, aber einen Schlager kann ich nicht spielen.

Anyway, ich liebe vor allem auch alle Arten von Orgeln, so dass mir gerade an der Neunten so gefällt, dass er die Kirchenorgeln einsetzt, um einige Scherze zu machen auf Kosten der katholischen und reformierten Kirche. Wie klingt eine katholische, wie eine reformierte, wie eine muslimische Orgel? Und wie kommt man von so einer zu Serge Gainsbourg "Je t'aime"? Hans zeigt's.

Und wenn er da so in der Musikkiste rumdüst, meistens mit einem verbalen Spruch begleitend, staune ich über soviel Talent, sp viele Ideen ... und werde natürlich etwsa neidisch, wieso ich nicht auch so gut spielen kann.

Er gastiert sehr oft in Deutschland, aber leider nur 1-2 Mal in der Schweiz pro Jahr.

Ich bin total begeistert von ihm, immer wieder. Aber nicht nur von Hans Liberg, von jedem Musikkünstler, der die Musik einbaut in sein Programm. So gefällt mir auch der Blues Max enorm, der seine Gitarre und eben den Blues als Untermalung seiner meist recht langen surrealen erzählten Stories einbaut.

Wer noch weitere Künstler kennt, die mit oder aus der Musik einen schönen Humor zaubern können, der möge doch einfach hier deren Namen hinstellen. Ich werde mich danach sofort auf die Suche im Internet nach Samples ihrer Arbeit machen.

Danke schon mal im voraus.

Max Raabe und sein Palast-Orchester - Musik, swingend, witzig, wunderbar

TV macht schon vieles möglich. Wie sonst hatte ich die Vorstellung von Max Raabe in der Berliner Waldbühne sehen können.

Ich liebe ja Musik aller Art, ich lasse sie auf mich wirken und brauche da nichts zu sehen. Man könnte meine Augen verbinden, kein Problem.

Max Raabe ist allerdings auch eine Augenschmaus, er und die Art, wie er seine Bigband einsetzt. Seine förmliche Steifheit, die perfekte Kontrolle seiner Stimme und die schnelle Rhythmen der Musik aus den 20er und 30er Jahren kontrastieren irgendwie so unerwartet harmonisch, dass es schon amüsant ist, Visuelles mit Akustischem zu einem Sinnesschmaus zu vereinen.

Ich habe derzeit eine Phase, in der die Schwingung fast jeglicher Musik direkt einen Bypass um den Verstand herum zu meinem Wesenskern nehmen. Und dann passiert es, dass die Schwingung der Musik mich derart schüttelt und rüttelt, dass ich oftmals kurz Tränen in die Augen kriege. Einmal tief durchatmen und schon fliesst die Energie wieder ungehindert durch den Körper. Die paar Tränen zeigen mir jeweils, wie weit ich vom Fluss weg bin, denn sie kommen ja nur anfangs ... so wie bei einer versiegelten Getränkeflasche. Erst wenn das Siegel weggerissen ist, fliesst der Saft ...

Danach kann sich die emotionale Kraft der Musik in mir entfalten, sie spült das Ego weg, damit auch Begriffe wie Distanz, Geschmack, Style, verschiedene Rassen, es ist einfach die Schwingung, die Konzeption, die die Musiker ausstrahlen, indem sie spielen, wie sie eben spielen.

Ich gehe selten an Konzerte. Wieso? Weil es ich immer schade finde, dass die Menschen zwar glückliche und gelöste Gesichter haben während eines Konzerts, dass aber nachher nur wenige Minuten vergehen, in der sie sich ihre gute Stimmung zur Sau machen (lassen). War die Stimmung noch gelöst und freundlich, ist sie spätestens beim Gedränge in Trams ode rder Bahn wie weggewischt.

Ich möchte die Schwingung jedoch noch lange geniessen, deshalb gebe ich nicht in Konzerte. Ich beobachtete zu oft, dass die Stimmung bei mir nicht anhielt, wenn ich danach zurück nach Hause muss.

Die Fähigkeit der schwingenden Musik ist es, Egos aufzulösen oder zumindest kurzzeitig den Mund zu verbieten. Leider hält das nicht lange vor bei vielen.

Deshalb ist es für mich immer toll, Konzertmitschnitte im TV oder auf DVD zu geniessen. Ohne Ablenkung, ohne negative Struegedanken, die mir meine Stimmung verderben. Denn es hat wohl jeder schon bemerkt ... wenn man selbst sehr gelöst ist, merken man die Gedanken der anderen viel deutlicher. Wer's nicht glaubt, soll sich mal beobachten und seine Schlüsse daraus ziehen.

Max Raabe ist auf jeden Fall toll. Als sein "Kein Schwein ruft mich an" abhob, war mir nicht klar, wie gross es wird. Es freute mich zu sehen, dass er problemlos die Waldbühne füllen konnte.

Musik verbindet ... ich hoffe, dass die Besucher von Konzerten es schaffen, diese Erfahrung bewusst zu machen und sie heraus in den Alltag mitzunehmen und dann dementsprechend mit anderen umzugehen.

Erstaunen über Männerchor mit Pop-Musik

Da hat die Schweizer Pop-Gruppe Mäsh einen Erfolg mit dem Titel Ewigi Liebi. Tolle Sache. Der Titel nimmt sich eines allgemein interessierenden Themas an. Deshalb hat er nur schon für sich alleine viel Erfolg hierzulande.

Interessanter ist es jedoch, dass eine innerschweizer Jodlergruppe, der Jodlerklub Wiesenberg, mit einer - modernerweise müsste man dem ja Coverversion sagen - adaptierten Version Furore machen. Sie hätten dies ohne jegliche Absicht getan, einfach, um jemandem aus ihrem Bekanntenkreis dieses Lied als Ständchen zu bringen.

Ich habe diese Version heute das erste Mal gehört und sie gefällt mir auch, obwohl sie schon sehr stark auf das typisch Folkloristische, das Jodeln, verzichtet. So singen sie in der typischen Männerchor-Lage dieses Lied, und nur einmal pro Strophe wird es es angereichert durch eine kurze Koloratur eines Solojodlers. Ich hätte mir da mehr davon erwünscht, da ich sowohl gerne Männerchöre höre wie auch die klaren Stimmen von Jodlern.

Das allseits Verblüffende ist nun, dass sich dieser Folksong einen Platz in der Schweizer Hitparade erobern konnte und erhalten kann.

Wieso hat dies so einen Erfolg? Der Titel von Mäsh macht's sicher schon mal aus, denn auch zu dem singt die Schweiz mit, erst recht, als er im Duett von Francine Jordi und Florian Ast gecovered wurde.

Vielleicht ja, weil die Jodler etwas Urtümliches, etwas typisch Schweizerisches darstellen. Wo sonst stehen die Männerchöre mit den Händen in den Hosen rum und singen?

Männerchöre gibt es in jedem Land, und die Mitglieder vertreten meist wahrhaftige Verwurzelung. Und wenn sie schön singen, dann ist ein 20-Köpfe Chor halt schon etwas sehr Bewegendes und Kraftvolles. Der Gesang rüttelt an den Wurzeln aller hier Geborenen, auch wenn sie sich wohl kaum bewusst sind, dass sie auch Generationen vor sich hatten, die hier ihre Wurzeln in den Boden vergruben.

Zudem möchte doch wohl jeder Mensch spüren, woher er stammt und eventuell feut es ihn, wenn ihm andere zeigen, wie er seine Wurzeln spüren kann. Das hat nichts mit Nationalismus zu tun, sondern einfach mit dem Spüren, in welcher Kultur man aufgewachsen und sicher auch schöne Zeiten erlebt hat. An die erinnert dann die Musik.

Ich finde es einfach schön, wie die das gemacht haben, obwohl ich mir den Song lieber von einem Appenzeller Chörli hätte anhören wollen ... obwohl ich von denen lieber die Zäuerli anhöre. Diese Innerschweizer versteht ja eh fast keiner ... :-)

Also, auf! Bringt die Zitterstimmchen und synthetisch overdubbten Tracks von Sternchen und Sternschnuppen zurück auf soliden Erdboden, reichert sie an mit gehaltvollen Bässen, Baritonen und Tenören. Lasst das in der Gruppe resonieren und bewegt damit die Gemüter und das Fundament anderer Menschen!

Musicstar und Dieter Meier

Im Zischtigsclub von heute sprach mir Dieter Meier, Frontman von Yello, aus dem Herzen. Dass die Veranstaltung eine Materialschlacht im Sinne vom Menschenmaterial-Ausmarchuung darstellt, ist wohl schon klar. Sie läuft unter dem Titel der Förderung, doch sie nützt wohl dem TV am meisten.

Dieter Meier hat sich daran gestossen, dass als allgemeine Belustigungssequenzen die "Leider nein"-Snippets gezeigt werden, wo für diesen Zweck ungeeignete Leute der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Dieter Meier sagte, dass der Fokus ja eigentlich auf "auf diesen Zweck hin dressierte Leute" gerichtet ist, dass das nur nicht bewusst wird. Es passen nur die Menschen, die gut singen können. Denn schliesslich sind die abgewiesenen Leute nun ebenfalls im Fokus der breiten Masse und von der eventuell als Mensch abgeschrieben, nicht nur als angehender Sänger. Natürlich ist es nicht klar, ob diese Leute so oder so einfach mal ins TV wollten, egal wie stark sie sich erniedrigen wollen. Dennoch. Es bleibt ja was hängen in der Masse. Gedanken und Vorstellungen über einen Menschen.

Ich finde wie Dieter Meier und Francine Jordi auch, diese Sequenzen bräuchte es nicht. Denn diese entlarven die Show erst recht als Geldmaschine für die TV-Anstalt. Dieter Meier war sehr drastisch in seinen Schilderungen diesbezüglich "ich habe zum Teil Mitleid mit diesen Leuten (Teilnehmer)". Carmen Fenk widersprach dem, sie kann ja als Gewinnerin der 1. Staffel in der Schweiz eine Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Sie meinte, es ist ja ein Wollen der Teilnehmer, egal wie's rauskommt.

Mir gefällt am Musicstar die Emotion, die Freude an einem toll gesungenen Song. Das Hoffen der Familienmitglieder, dass ihr Schützling weiterkommt. Was mir nicht gefällt, sind die erwähnten "Leider Neins", die Homestories.

Da aber auch jeder, der da hingeht, selbst entscheiden muss, ob er das will, habe ich wie Carmen Fenk weder Erbarmen noch finde ich sie toll. Es ist offenbar ein Weg, für eine gewisse Zeit im flüchtigen Bewusstsein der Masse präsent zu sein, Anerkennung und Ablehnung zu erhalten. Ob die Leute das dann ertragen und damit umgehen können, ist ungewiss, denn dieses Mass an Aufmerksamkeit sind die jungen Menschen nicht gewohnt.

Dieter Meier sagte "das sind Novizen, die man in die Arena lässt". Er verteidigt die Menschenwürde. Vielleicht, weil er ohne diese Massenveranstaltungen zum bekannten Künstler wurde, weil er weiss, dass es andere Wege zum Ruhm gibt, der ohnehin kommt, wenn man etwas macht, woran man glaubt und was anderen Leuten gefällt. Weil man sich dann auch nicht bis auf die Unterhosen präsentieren und - wenn's dumm geht - blamieren muss.

Aber dieser Weg ist halt eventuell etwas langsamer, nicht von 0 auf 100 in ein paar TV-Tagen und ohne ein Millionenpublikum. Wohl für die meisten etwas verträglicher, denn ein eventueller Niedergang ist dann auch nicht von 100 auf 0 in wenigen post-TV und einsamen Tagen. So kann sich wie üblich jeder selbst entscheiden. Hoffentlich kann er mit den Konsequenzen umgehen, ohne sie emotional zu fixieren.

Starke Wurzeln dank Musik

Heute war ich an einem mittlerweile traditionellen Event, dem 15. Abend der Freundschaft des Chorus Croaticus. Dies sind ca. 10 in der Schweiz lebende Kroaten, die sich zum sog. Klappa-Gesang zusammenfinden. Das sind kurze und für mich als Kroatisch-Unkundigen meistens sehr melancholisch anmutende A cappella-Songs. Der Inhalt ist oft die Sehnsucht nach Kroatien, der blauen Adria, den dicht gebauten, engen Örtchen an den Küsten, der Heimat halt.

An diesem Abend lädt diese Combo alle Freunde und Bekannten ein, kostenlos mit ihnen Abend zu essen, vorher und nachher garniert mit einigen dieser Klappas. Gereicht wurde eine kroatische Spezialität und viel Dessert. Natürlich haben sie auch schon 3 CDs draussen, die 4. kommt nun dank der Kollekte, mit der sie den Abend jeweils abschliessen.

Das für mich Schöne ist, dass diese Männer sehr wohl mit allen Beinen hier in der Schweiz integriert sind, arbeiten und Familien haben. Sie wissen unser Land, diese Lebensumgebung zu schätzen und haben dennoch jederzeit Zugriff auf ihre Wurzeln, die nach wie vor in Kroatien in der Erde stecken. Diese Wehmut, dass sie halt doch nicht mehr im Alltag dort leben können, drückt sich in diesen Klappa-Gesängen aus. Es braucht keine Sprachkundigkeit, um zu verstehen, worum es geht in den Texten. Natürlich gäbe es Übersetzungen, sie sind allerdings nicht nötig.

Die 10 Männer singen sehr gut, schön und mit viel Ausdruckskraft. Sie schaffen es mit Leichtigkeit zu vermitteln, wie sie sich ihrer Heimat noch verbunden fühlen. Ohne Worte, mit Taten. Seit vielen Jahren laden sie immer befreundete Ensembles an diesen Abend ein, das Berner Mandolinen-Orchester, eine Jodler-Gruppe, ein Alphornduo, eine Gospelgruppe, einen Gitarre-Virtuosen etc. Mit Musik, der ihrigen und der hiesigen, die vom Publikum gleichermassen erfreut aufgenommen wurde, geschieht Integration: Akustisch, kulinarisch und gefühlsmässig. Kein grosser Aufwand, nur die Einladung, an Freunde und Fremde, bei den Liedern ihrer Wurzeln dabei zu sein. Alles andere geschieht automatisch.

Es ist mir immer eine intensive und sehr bewegende Freude, ihren klaren Gesang zu hören und die Schwingung der Lieder auf mich wirken zu lassen. Wie Franjo jeweils sagen muss knapp vor Mitternacht "Es ist zu schnell zu spät geworden.". Ich als Fan von authentischer Musik kann dem jeweils nur bedauernd zustimmen.

Sie haben eine Website: www.choruscroaticus.ch

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